Schelato, Schelato, Schelaaatooooo

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Überall gibt es neue Eisgeschäfte in der Stadt

Veröffentlicht am 12. August 2015 von Roman

Wie die Schwammerl schießen sie aus dem Boden. Es muss wohl irgendwo einen Jungunternehmer Förderkurs im vergangenem Jahr gegeben haben, der sich dieses Themas widmete - oder wie sonst erklärt man sich auf einmal diesen Trend? Vielleicht ist es aber auch die Erfolgsgeschichte der Eisgreißlerei und von Veganista - die bereits 2013 und 2014 ihre Pforten öffneten - und vor denen sich immer große Menschenansammlungen befinden. Nicht immer alleine, weil das Eis so gut ist, sondern weil man im Service doch um einiges länger benötigt als beispielsweise am Schwedenplatz - wo alles ratzfatz geht und man ein Stanzten voller Eiscreme mit den gewünschten Eissorten in der Hand hält. Aber wie kommt das?

Das Schelato hat circa im April dieses Jahres in der Lerchenfelderstraße eröffnet. Spannenderweise in einem umgebauten Lokal, wo zuvor ebenfalls (ein nicht besonders gutes) Eisgeschäft war. Auch wenn man zu Beginn mit einer ziemlich schlechten Wetterphase zu kämpfen hatte, waren hier in den irgendwie zusammengeschusterten Gassenlokal schon sehr bald immer einige Leute vor dem Geschäft, die sich um ein Eis 'rangelten'. Auch die Presse schien den beiden Besitzern wohl gesonnen zu sein - was womöglich auch an den interessanten Sorten lag, die einem schon beim Lesen beflügeln. Schwarzes Sesameis, Frischkäse, gesalzenes Karamell, Zuckermais etwa - aber auch bei den klassischen Sorten wie Haselnuss, Pistazie oder Schokolade achtete man auf die besondere Herkunft und Qualität der jeweiligen Zutaten. Die 'Sau' (wir sagen ja immer zu einem Trend, dass eine Sau durchs Dorf - in diesem Fall die Stadt – getrieben wird) veganes Eis war natürlich auch von Anfang an dabei - was den Bobos der Umgebung natürlich besonders gefallen hat. Die haben nun immer mehr Auswahl, da fast kein Eisgeschäft mehr auf diese Art der Zubereitung verzichten kann/will (Futterneid quasi) - dazu aber später noch ein paar Worte.

Das Lokal ist so richtig im Marketstyle errichtet - möglichst unkompliziert und billig - und nicht besonders geschmackvoll. Die Eistheke hat ein komisch buntes Fliesenmuster und wenn man die Leute vor dem Geschäft nicht mit Eis sieht, dann erkennt man fast gar nicht, was es hier eigentlich zu kaufen gibt. Der Name Schelato ist sehr lustig und kreativ gewählt - und man schreibt einfach Gelato, wie man es sonst spricht - ist also selbstredend. Welche Sorten es gibt kann man allerhöchstens erahnen - und wie das Eis aussieht - dazu muss man schon näher treten, was manchmal wenn einige Leute in dem engen Lokal stehen, recht schwer wird. Denn auch hier haben wir erfahren (beim neuen Eisgeschäft Leones), dass die Kühlung vom Eis in runden Behältern und zugedeckt, das Beste sein soll, was man dem Eis und dessen Qualität gönnen kann. Denn die Oberfläche ist gering und von rundherum kommt eine möglichst gleichmäßige Temperatur. Der Haken an der Sache ist aber, dass alles wahnsinnig lange dauert. Und im Falle Schelato finde ich, ist die Kühltemperatur auch ein wenig zu kalt eingestellt und das Eis daher eher hart (liegt aber vielleicht auch an der Tatsache, dass hier viele Sorten vegan sind und die eben weniger (Milch)Fett haben - was die Trendangebenden Damen ja auch wieder eher als Feature denn als Bug empfinden werden - man schaut ja lieber auf die Figur als auf den Genuss/Geschmack.

Also jeweils Deckel auf, dann das etwas zu harte Eis mühsam aus der Tiefe des Behälters rausschaben und dann irgendwie in das Stanzten drücken. Und so geht es Sorte um Sorte weiter. Dagegen ist Tichy, Schwedenplatz und Tuchlauben eine wahre Speedmaschine. Und das Eis hat wohl in den Behältern dort nur wenig Zeit zu oxidieren, weil der Durchsatz einfach wesentlich höher ist. Was dein eigentlichen Sinn solcher Behälter wohl wieder ein wenig in Frage stellt.

Aber kommen wir nach den (suderanten) Tatsachen zum eigentlichen Urteil über das Schelato. Auch wir waren von Anfang an recht begeistert. Insbesondere, weil auch wir zu den Leuten gehören, die gerne offen für Experimente sind - und da gefällt es uns, wenn Eismacher kreativer und einfallsreicher sind. Vanille, Erdbeere, Schokolade und Co kann man auch sonst in vielen Eisgeschäften in Wien in einer sehr guten Qualität bekommen. Da wird es schon spannender, wenn die Erdbeere die Mieze Schindler ist, oder es ein besonderer Kakao für die Schokolade ist. Gründe, sich immer öfters solchen Geschäften zuzuwenden. Im Moment mögen wir besonders gerne Kirsch mit Oregano und Zuckermais (da schwarzer Sesam leider seltener im Programm ist).

Was mich insbesondere ganz und gar nicht begeistert ist die Tatsache, dass fast alle Fruchtsorten heutzutage nur mehr als vegane Variante angeboten werden. Da habe ich sogar schon des öfteren mal umgedreht und auf ein Eis verzichtet. Ich habe gar nichts gegen vegan - aber ich persönlich mag halt lieber, wenn im Fruchteis Milch, Schlagobers oder sogar Butter (je nach Sorte) drin steckt. Daher fände ich es einen tollen Service, wenn man diese Sorten sowohl in vegan als auch normal angeboten bekäme. Aber diese Arbeit macht sich ja leider keiner. Und deswegen sind wir wohl nun scheinbar zu vageren Fruchtsorten vergattert. Denn produziert wird, was der Kunde mag - und das hat leider nicht immer etwas mit Geschmack und Qualität zu tun.

Heute haben wir auch einmal nicht nur das Eis pur und auf der Straße (oder zum Mitnehmen) genossen sondern uns auch gleich die 'Eiskreationen' - und auch die sind besonders kreativ. Wer würde schon Blauschimmeleis mit Speck, Oregano und Kirschen kombinieren. Ausgezeichnet als Zweigelt rebelnde Wollmilchblau. Oder einen Plantana Split - mit Schokolade, Rosmarin, Karamell, Fleur de Sel und Olivenöl? Sehr spannend und es haben alle Variationen super geschmeckt.

Fazit
Von uns bekommt das Schelato trotz obiger allgemeiner Kritikpunkte eine absolute Empfehlung. Hier kann und sollte man unbedingt immer wieder vorbei schauen. Denn es gibt auch immer wieder neue Eissorten zu erkunden. Wie zum Beispiel Piemontesische Haselnuss, sizilianische Cantaloupe-Melone (v), Zirbenmiclheis, Sellerie mit Rum und Rosinen, Gurke mit Wasabi, Birneneis mit Rosmarin oder Schwarze Maulbeeren. Na - Lust bekommen. Denn die die Sorten (und wir haben schon einige probiert) sind allesamt gut als Eis zu essen (und nicht nur kreativ). Traut euch also und schaut in die Leichenfelderstraße - auch, wenn wir dann leider immer länger anstehen müssen :-(

Schelato
Lerchenfelderstraße 34, 1080 Wien.
http://www.facebook.com/schelato

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