Im Umfeld von Sotschi und der Berichterstattung, ist auch das im vergangenen Sommer von Putin verabschiedete Anti-Schwulen-Gesetz in Russland ans Tageslicht gekommen. Es verbietet bereits das Sprechen über gleichgeschlechtliche Liebe im Beisein von Kindern, zumindest wenn die Wertung positiv oder neutral ist. Wer dagegen verstößt, muss bis zu 2.500 Euro Strafe zahlen, Firmen und Organisationen sogar 25.000 Euro. Medien, die positiv oder neutral über Homosexualität berichten, können für drei Monate geschlossen werden. Ausländer, die sich dieses neu definierten Vergehens schuldig machen, können verhaftet werden und müssen Russland verlassen.

Weder die Anbiederung an den Westen durch einen Song der russischen Polizisten. Noch wenn Putin noch so überraschend und amikal ins Österreich-Haus kommt und Matthias Mayer auf Deutsch zum Olympia-Gold gratuliert. Das macht ihn auch nicht sympathischer. Fakt ist, dass in vielen Ländern noch traurig hinterwäldlerische Ansichten zum Thema Gleichstellung (sei es nun bei Frauen oder Homosexuellen) gibt. Die einen (Frauen) werden per Dorfstamm bei einem Seitensprung zur Zwangsvergewaltigung verurteilt (muss man sich mal vorstellen!) - und Homosexuelle in manchen Ländern eingesperrt, gedemütigt oder zum Tode verurteilt. Und Europa schaut zu. Bedeutet, dass uns die Menschenrechte auch nicht viel wert sind, wenn es ums Geschäft geht. Genauso wenig, wie ein sportlicher Höhenflug und Erfolg wohl auch über allen Ansichten steht. Was man nicht weiß, macht einem eben nicht heiß.

Sind wir hier in Europa wirklich das Sündenbabel der Welt? Nur, weil wir uns in vielen Dingen von den Klauen der Religion befreit haben (auch der Papst befragt die Kardinäle (sicher sehr erfolgsversprechend) zur 'neuen' Gesellschaft Jetzt heiraten sogar schon schwule Offiziere - tztztz).

Spannend auch, wenn man dieses Interview in der Zeit vom Betreiber der einzigen Schwulenbar in Sotschi liest. Hier kann man gut die Angst und Zensur erahnen, die einem im Nacken steckt:

ZEIT ONLINE: Fühlen Sie sich als Schwuler frei und uneingeschränkt in Sotschi?
Kochagow: Ja, ich lebe mit meinem Freund seit 13 Jahren zusammen hier. Putins Gesetz gegen Schwule ist gar kein Problem. Nur in der Öffentlichkeit halten wir nicht Händchen oder küssen uns.

Oder: Kochagow: Olympische Spiele sind Sportwettkämpfe. Sie sollten nichts mit den Rechten oder Freiheiten von Homosexuellen zu tun haben. Bevor Sie in ein arabisches Land fliegen, informieren Sie sich doch auch über die dortigen Gesetze. Wenn es nicht erlaubt ist, auf offener Straße Alkohol zu trinken, machen Sie das nicht. Oder: Stellen Sie sich vor, Katar würden die Olympischen Spiele austragen. Der Kultur der Kataris zufolge dürfen Frauen in der Öffentlichkeit keine nackte Haut zeigen. Was würden die Liberalen aus Europa dazu sagen? Ich denke, Ausländer, egal wo sie herkommen, sollten Gesetze und Kultur eines Landes respektieren.

Freilich sollte und muss man Gepflogenheiten und Kulturen in anderen Ländern respektieren. Aber wo ist die Grenze? Muss unser liberales Europa so manche Menschenrechtsverletzung einfach so hinnehmen und darüber hinweg schauen. Die Wirtschaft scheint das zu verlangen - denn Profit geht eben vor Moral. Also fahren wir auch in solche Länder an den Strand, lassen uns die Beine massieren und kommen erholt wieder zurück. Hier dürfen wir uns dann auch wieder in der Öffentlichkeit küssen, fremd gehen - ohne der Angst gesteinigt zu werden oder (Herrgott schau runter!) Alkohol in der Öffentlichkeit trinken. Ein böses liberales und dennoch verlogenes Europa du manchmal bist! Aber es gibt Hoffnung. Wie immer kommt das von den Menschen selbst - Regierungen brauchen da (ein wenig) länger - wie das Video der Schweden oben zeigt.

Und würde Tom Daley (offen bekennender schwuler Turmspringer) sich bei so einer Olympiade über Gold freuen?