Der gelbe Sternenring auf blauem Grund als das EU-Logo schlechthin könnte schon bald ausgedient haben. Die Europäische Union bastelt an einem neuen Image - und neuen Symbolen. Zu diesem Behufe gründeten EU-Kommissionspräsident Romano Prodi und der belgische Premier Guy Verhofstadt vor einem Jahr eine zwölfköpfige Kreativrunde. Sie soll Konzepte finden, um Brüssel als Hauptstadt Europas zu profilieren.

Die Runde ist prominent besetzt: Unter anderem gehören ihr der Schriftsteller Umberto Eco, Swatch-Erfinder Nicolas Hayek und Gerard Mortier, ehemaliger Intendant der Salzburger Festspiele, an. Wie der 'Spiegel' und die britischen Zeitungen 'Guardian' und 'Independent' bereits vor einigen Wochen berichteten, liegen Prodi und Verhofstadt nun Entwürfe für neue Europa-Fahnen vor.

Sie stammen von einem weiteren Mitglied des EU-Think-Tanks, dem niederländischen Stararchitekten Rem Koolhaas, der sich zumindest in einer der beiden bekannt gemachten Designideen ganz von den alten Symbolen verabschiedet. Im Streifenlook präsentiert sich seine Staunen machende Vorlage. Die Farbkombination ergibt sich durch alle nationalen Länderfahnen, in alphabetischer Reihenfolge.

Während es das Anliegen der Runde ist, ein 'softes' EU-Gefühl zu etablieren - mit wenig Bürokratie, dafür viel Kultur und Kommunikation, könnten Europaskeptiker den neuen Flaggenentwurf als ein Symbol für die verlorene nationale Identität deuten. Dabei intendiert Koolhaas gerade das Gegenteil damit. Er wollte mit seinem Vorschlag die einzigartige 'Einheit und Verschiedenheit' Europas zum Ausdruck bringen, wie er im Mai gegenüber dem 'Independent' betonte. Laut Zeitung beauftragte Prodi verschiedene Kommissionsabteilungen, die Änderung der 'visuellen Kommunikation' im Hinblick auf Koolhaas' Vorschlag zu prüfen.
(Quelle: ORF On)

s44: Wir sind schon gespannt, wie und ob sich der Entwurf durchsetzen kann. Die Idee daran ist jedenfalls faszinierend und entspricht dem heutigen Europa. Jede Menge Sprachen, Kulturen, Geschichten - und trotzdem eine Einheit - zumindest kännte man sich das so wünschen. Pragmatisch hat der Entwurf natürlich auch so seine Macken: aufwendigste Produktionskosten, schlechte Webnutzbarkeit und vor allem - wie sieht es mit der EU-Erweiterung aus - kommen dann neue Farben hinzu? Aber so ist das eben mit den Visionen!