Egal wo man hin kommt, fast alle laufen zum Hofer. Die einen versuchen's zu vertuschen, weil es ihnen unangenehm ist, die anderen rühmen sich, weil die Produkte ohnehin die gleichen sind, allerdings um einiges günstiger. Ist man also ein Vollkoffer, wenn man nicht auch zum Hofer geht? Das wollten wir einmal stichprobenartig unter die Lupe nehmen und hier der Bericht dazu. Eines gleich vorweg: günstiger ist es beim Hofer allemal - ganze 30% haben die Produkte weniger gekostet als im Supermarkt (in unserem Fall der Merkur).

Im Hofer gibt es immerhin doch einige Markenprodukte, die aus welchen Gründen auch immer zwar eine Nachfrage haben, aber scheinbar nicht kopiert werden und mit ähnlichem Design und Geschmack unters Volk gebracht werden. Toblerone zum Beispiel, aber auch das Ottakringer ist ja seit einiger Zeit in die Regale vom Hofer gewandert und hat sich dadurch eine Menge Ärger mit den anderen Handelsketten eingeheimst.

(Der Preisunterschied bei den Schokobananen ist besonders gravierend - bezieht man das Gewicht in die Rechnung ein, ist das Hofer-Produkt um mehr als die Hälfte billiger, bei kaum einer Geschmackseinbuße.)

Wir haben in unserem Test nicht die Dinge des täglichen Bedarfes abgefragt, sondern eher Sachen, die man gerne mal so nebenbei in den Einkaufswagen legt um sich was Gutes zu tun. Salziges und Süßes stand also auf unserer Einkaufsliste. Soletti, Pomsticks (Kartoffelsticks), Brot-Chips (Knoblauch) und Kelly's Macadamia-Nüsse sowie Nutella, Casali Schokobananen und Corny Müsliriegel. Das beängstigende: die entsprechenden Produkte sind bei Hofer schnell zu finden, da das Verpackungsdesign stark an die Originale angelehnt ist - gleiche Farben, ähnliche Bilder und Namen und auch die Verpackungsgrößen ähneln sich verblüffend. Im Vergleich zum Merkur, wo wir für diese Produkte 13,54 Euro zahlten, kamen wir beim Hofer satte 30 Prozent günstiger davon. Mit 9,43 Euro konnten wir für diese paar Kleinigkeiten über 4 Euro sparen. Da kann für eine Familie mit Kindern die gerne naschen und knabbern übers Jahr ganz schön was zusammen kommen.

Aber wie sieht es mit der Produktqualität aus? Sind die Produkte wirklich vergleichbar? Viele meinen ja (sei es eine selbst zusammengeschusterte Rechtfertigung oder nicht), dass einige Produkte beim Hofer sogar viel besser seien - so wird zum Beispiel immer wieder die tolle Alu-Folie gelobt, da sie dicker sein soll und so zum Beispiel zum Grillen perfekt geeignet ist. Und natürlich die vielen Brot-Backmischungen, die so in den pbligatorischen Brotbackofen in jedem Haushalt wandern und Beweggrund genug sind, zum Hofer zu pilgern. (Diese Brotbackmischungen haben wir übrigens auch gleich ausprobiert - dazu aber mal ein anderer Beitrag hier auf s44.at - den Qualitätsunterschied bei der Alu-Folie konnten wir nicht nachvollziehen.)

Ich habe mir daher einen unbestechlichen Tester geholt und ihm die Produkte in einer Blindverkostung vorgelegt. Sein Name: Richard. Seine Eigenschaft: kritischer, wenn auch ein wenig verwöhnter Gourmet mit einem feinen Geschmack. Hier sein Ergebnis. Viele Produkte sind optisch und auch geschmacklich sehr nah dran. So gibt es beispielsweise bei den Schokobananen rein äußerlich überhaupt keinen Unterschied. Daher hat es mich gewundert, dass Richard dann zum Casali Original tendierte. Dieses schmeckt ein wenig bananiger, wie er meinte - und ich konnte das dann auch nachvollziehen, als ich es kostete. Nutella gegen Nutoka (!!!) brachte dann ebenfalls einen Geschmackssieg fürs Original. Die Konsistenz ist bei Nutella cremiger. Es sieht zwar fetter und weicher aus (Nutoka schmeckte etwas grießig), hat aber 23 Kalorien weniger auf 100 Gramm. Nutella beinhaltet 31 Gramm Fett pro 100 Gramm und Nutoka 35,7 Prozent.

Beim Müsliriegel Schoko-Banane punktete dann jedoch erstmals Hofer im Geschmackstest. Viel knuspriger und geschmackiger ist das bei Hofer angebotene Knusperone. Inwieweit es sich hier um einen Qualitätsunterschied handeln kann, konnte man anhand der Packungen nicht eruieren - die Angaben pro 100 Gramm lesen sich relativ identisch. Beim Salzigen punkteten dann wieder zweimal die Markenprodukte - wenn auch überaus knapp. Bei Soletti sehen die Sakzstangen wirklich verblüffend ähnlich. Gut möglich, dass sie sogar vom selben Erzeuger kommen - aber Soletti hat hier mehr Salz auf den Stangen und nicht ganz soviele Bitterstoffe, wie es scheint. Bei den Kartoffelsticks punktet Pomsticks vor allem optisch - die Sticks sind heller und gleichmäßiger als die vom Hofer.

Als Fazit kann man sagen, dass unser Test in der Qualität keine gravierenden Unterschiede deutlich machte, die Ersparnis von 30 Prozent allerdings schon für viele ein gewichtiges Kriterium für einen Einkauf bei Hofer darstellen kann. Wenn man dazu noch weiß, dass Hofer (Aldi) auch noch sehr gut verdienen und einen Markt nach dem anderen eröffnen, stellt sich die Frage, warum dann der restliche Handel bei diesen Preisspannen noch jammert?

Wir werden wahrscheinlich dennoch keine Hofer-Stammkunden. Denn das Ambiente, die Darbietung in den Regalen/Schütten aber auch das hemmungslose Nachahmen von Markenprodukten ist uns ein Dorn im Auge. Und das Geld, welches in Entwicklung und Marketing geht, selbst verdiene ich mein Geld ja auch damit, schafft ebenfalls Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Wenn ich aber wieder eine Brotbackmischung benötige wird es mich vielleicht doch wieder mal zum Hofer verschlagen - und dann habe ich auch einen gute Grund dort reinzugehen.

Wo kauft ihr? Wäre schön, wenn ihr eure Erfahrungen mit Hofer oder Nichthofer hier in die Kommentare schreibt.