Alles schwanzgesteuert? Die Aids Kampagne der Münchner Aidshilfe nimmt sich kein Blatt vor den Mund und schreibt (aus ihrer Sicht), was Sache ist. Ist erst mal die Lust da, dann setzt der Kopf oft aus. Und wenn Geilheit die absolute Kontrolle über das eigene Handeln übernimmt, ist die Gefahr des Vergessens natürlich gegeben. Aber hilft so eine Kampagne wirklich?

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2009 diktator 02
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2009 diktator 03

Zugegeben, sie ist auffällig und erfüllt so zumindest eine der Werberegeln. Denn was hilft eine Kampagne, die niemanden kratzt? Und da wir in unserer Agentur ja auch schon so einige Kampagnen für die Aids Hilfe Wien kreiert haben, kann ich gut nachvollziehen, dass man gerne immer an die Grenze geht, um einer Kampagne/Aussage durch kaum vorhandenes Geld wenigstens ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit zu gönnen.

Über die Umsetzung möchte ich hier nichts großartiges sagen. Was mich nur stutzig gemacht hat bei dieser Kampagne ist, dass ich nicht verstehe, was der Diktator mit einem Test zu tun hat? Sinnvoller wäre doch ein Bezug auf ein Kondom gewesen, denke ich. Und besonders kritisch sehe ich, dass in der Aussendung und auf der Webpage der Münchner Aidshilfe immer von Schwulen gesprochen wird. Viel zu einseitig finde ich diese Argumentation. Denn wenn es schon um den Schwanz und die damit verbundenen Probleme geht, dann ist doch zumindest dieser kein Unterscheidungsmerkmal zwischen Schwulen und Heteros.

Leider muss ich für meinen Teil sagen, dass ich kein großer Fan dieser Kampagne bin - sie hat nichts mit Freude und Lust zu tun und hinterlässt einen fahlen und gefährlichen Nachgeschmack. Schwule/Männer werden als schwanzgesteuert und kopflos dargestellt und sollen dennoch damit angesprochen werden. Ob Information gut ankommt, wenn man die Zielgruppe beleidigt, ist aber mehr als fraglich.

Was meint ihr zu dieser Kampagne?